Archiv der Kategorie: Artikelsammlung

Presseartikel über mich aus Zeitungen und Zeitschriften, mein Bericht über die Plauer Segelwoche für zerlegbare Segelboote 2017, der schwierige Landzugang (Crosscountry) zum oberen Whitestone River im Yukon Territory in Kanada, meine Reise als Seemann auf der MS John Bakke und ein Bericht über meine Kindheit während des Nationalsozialismus.

Plauer Segelwoche 2018

Bericht von der „Plauer Segelwoche“ für zerlegbare Segelboote 2018

An der diesjährigen PSW nahmen ungefähr 40 sehr unterschiedliche, zerlegbare Segelboote teil. Die Anzahl der Treffenbesucher kann man weniger genau abschätzen, da viele Teilnehmer Ehepartner, Angehörige und Freunde mitgebracht hatten. Unten der Versuch, die teilnehmenden Skipper mit ihren Booten in halbwegs stimmiger chronologischer Reihenfolge aufzulisten. Da sich die Treffenbesucher dieses Jahr auf eine unübersichtlich 400 m lange Strecke am Ufer verteilten und sich nicht alle Besucher in die Liste eintrugen, ist die Liste vermutlich nicht vollständig.

– Jörn mit Pouch RZ 85 Ketsch “Albatros” mit Trimaranauslegern
– Jürgen mit Grabner HC Neo
– Jochen mit Klepper Aerius Eigenbau Trimaran
– Agnes und Uli mit Minicat 420
– Wolfgang mit Feldkamp K 120 c
– Ralph mit Ducky 17
– Christian und Petra mit Grabner HC Evolution
– Bernd und Annette mit Klepper Aerius II mit S2 Besegelung
– Jürgen mit Grabner HC light
– Andreas mit Grabner HC Hurricane
– Angelika und Hans-Peter mit Grabner HC Vision
– Matthias mit Grabner HC Hurricane
– Christoph und Sabine mit Smartkat Racing
– Frank mit Feldkamp K100 (älterer Typ mit 430 cm Rumpflänge)
– Bert und Ingo mit Pouch RZ 85 Trimaran Ketsch mit Mistralbesegelung
– Silvia und Norbert mit Grabner HC Evolution
– Daniela mit DinghyGo Joy
– Bodo und Petra mit Grabner HC Evolution
– Jens mit Feldkamp K 120 b
– Robert mit Smartkat Racing
– Dieter und Christian mit Grabner HC Racing
– Angelo mit diversen Trimaran Eigenbauten und einem besegelten Schlauchboot
– Peter mit einem holzgerüstverstärkten Gumotex Sunny mit Tritonbesegelung + Fock
– Guido mit einem Grabner HC Evolution
– Claus mit einem Grabner HC Hurricane
– Lin und Jan mit einem Ladoga 2, Trimaranketsch
– Jörg mit Pouch RZ 85 Trimaranketsch mit Pouch Besegelung und Mistral Beseglung
– Günther mit Pouch RZ96 mit Pouchbeseglung
– Stefan mit Pouch RZ85 Trimaran Gaffelketsch
– Heide und Thomas mit Minicat 420
– Philippe und Daniel mit MTW Delphin 140 , eine DDR Faltsegeljolle von 1968
– Daniel mit Pouch RZ 85 und Pouch Exquisit – und Fledermausbesegelung
– Ingo mit Canadier mit Spritsegel

Dazu gesellten sich Kauforientierung Suchende sowie Besucher ohne Segelboote von denen insbesondere genannt seien:
– Axel und Elke, allen PSW-Teilnehmern gut erinnerlich, da sie letztes Jahr die Regattaleitung inne hatten.
– Danny, der ohne seine historische Hafenbarkasse „Suhr“ erschien. Das schwere Schiff hätte nach dem trockenen Sommer auf den Wasserstrassen nicht genug Wasser unter dem Kiel gehabt.
– Schließlich seinen zwei Festbootsegler erwähnt, ein Skiff Segler der TU Braunschweig und ein weiterer Segler mit einem Hobie Adventure Trimaran.

Einige Segler blieben krankheitsbedingt zuhause oder waren aus gesundheitlichen Gründen nicht segelfähig. So erteilte Sabine ihrer besseren Hälfte Smartkatsegelverbot. Faltbootsupersegler Eckhard mußte aus gesundheitlichen Gründen der PSW erstmalig ganz fernbleiben. Seine tägliche Übung jedoch, im Morgengrauen ein Bad im Plauer See zu nehmen, wurde dieses Jahr von drei Frauen aufgegriffen. Agnes, Anette und Elke stiegen jeden Morgen tapfer in das zu dieser Jahreszeit nicht mehr so ganz warme Wasser.
Die PSW-Tradition des gemeinsamen Frühstücks am Seeufer in großer Runde wurde dagegen erstmals nicht mehr von allen Teilnehmern aufgenommen. Manchen neuen Besuchern war die Tradition nicht geläufig oder sie bekamen den Umstand des gemeinsamen Frühstücks nicht mit, weil ihre entfernter liegenden Stellplätze außerhalb der Sichtweite lagen. Mein Tipp für Neue: Nicht schüchtern sein, einfach mit seinen Frühsücks-Utensilien zu den anderen setzen!

Der Wasserstand des Plauer Sees hatte, wie wohl bei den meisten anderen Gewässer, unter der langen Trockenzeit gelitten. Der früher so kurze Sandstrand war breit geworden und im seichten Uferbereich lauerten zahlreiche, unangenehm große Steine dicht unter der Oberfläche.

Größter Kat war dieses Jahr der Feldkamp K 120 c von Wolfgang mit einer Rumpflänge von 530 cm und einer Segelfläche von 16 qm am Wind. Der 30 bis 40 Jahre alte Oldtimerkat mit seinem aufwändig verstagten Mast ist, wie die kleineren Feldkamp Modelle, auch nur 2 m breit, weshalb die Firma Feldkamp den Kauf damals ausschließlich versierten Seglern empfahl. Das kleinste Boot auf der PSW 2018 war der DinghyGo Joy von Daniela. Es handelt sich um ein besegeltes Dingi mit 275 cm Rumpflänge, Kattakelung und Zentralschwertkasten.

Erstmalig nahm dieses Jahr eine Faltsegeljolle, Typ Delphin 140 von MTW, teil. Der Oldtimer aus der DDR, Baujahr 1968, war komplett im Originalzustand erhalten, nur wenig restauriert und sah nahezu neuwertig aus. Phillippe, einer der stolzen jungen Eigner erzählte Danny und mir, wie wenige Elemente er am Boot habe beschaffen oder erneuern müssen. Seine Großmutter habe ihn einst zur Segelei gebracht. Leider ist unser, vor der Jolle aufgezeichnetes Videogespräch einem leeren Kameraakku zum Opfer gefallen.
Angelo beteiligte sich wieder mit einem bunten Strauss an so originellen wie funktionstüchtigen Eigenbauten. Besondere Erwähnung verdient schließlich noch der ausgesprochen schöne Eigenbau von Peter, der sich einen Trimaran auf Basis von einem mit einem Holzgerüst verstärkten Gumotex Sunny Paddelboot gebaut hatte.

Unsere Bootswiese im Norden des Campingplatzes mit insgesamt nur 17 Stellplätzen war dieses Jahr bereits frühzeitig ausgebucht. Spätbucher hatten das Nachsehen. Zusätzlich belegt waren daher die ufernahen Stellplätze nördlich und südlich der Bootswiese. So verteilten sich unsere Boote auf eine lange Uferstrecke von über 400 m. Dadurch ging es bei den Liegeplätzen am Ufer angenehm entspannt zu. Andererseits litt die Kommunikation über die lange Entfernung. Wir diskutierten das Problem. Einige machten den Vorschlag, zukünftig eine E-Mail oder whatsapp Gruppe zu gründen. Andere regten die Installation eines festen Schwarzen Bretts ab, was mit der Campingplatzverwaltung abzusprechen wäre. Das von mir als „Schwarzes Brett“ mitgebrachte Whiteboard mit Ständer wurde mehrfach krachend vom Wind umgeworfen, obwohl es mit einem kleinen Anker beschwert war.

Wieder schliefen mehrere PSW Teilnehmer in beheizbaren Schlaffässern, wovon nur Christoph und Sabine ein mobiles Schlaffass mit Rädern zur Bootswiese geordert hatten. Es wurde von einem Trecker heran gezogen. Die ebenfalls genutzten, immobilen Schlaffässer sind zwar an schöner auf dem Campingplatz aufgestellt, liegen aber leider etwas abseits der Bootswiese.

Dem Beispiel von Volker auf der PSW 2017 folgend hatten einige Besucher LED Beleuchtung auf ihrem Standplatz installiert. Im übrigen wurde der Platz abends von drei Feuerschalen erhellt, die Danny, Bernd und Bert mitgebracht hatten. Besonders originell sah die kleine Feuerschale von kajaksegeln 3.0 aus, in die rundum mehrfach das Firmenlogo eingelasert war. Am abendlichen Lagerfeuer holte Bernd dann auch mal seine Klampfe hervor.

Dieses Jahr wurden in der Flotille folgende Ziele angefahren

– Wir segelten in die südliche Spitze des Sees nach Bad Stuer. Agnes hatte herausgefunden, dass ein junges engagiertes Team den Campingplatz gleich hinter der Marina mit Außengastronomie übernommen hatte. Zum gemeinsamen Mittagsessen gesellten sich einige PSW-Teilnehmer, die mit Fahrrad über Stock und Stein am Seeufer lang hinterher gekommen waren.

– In großer Flotille segelten wir zum Mittagessen zur Fischerhütte Wendlin im Nordosten des Sees. Am Steg und auf dem kleinen Uferstreifen vor der Gaststätte reihten sich Boot neben Boot.

– Eine etwas kleinere Gruppe segelte zum Dörpladen nach Alt Schwerin in den Nordwesten des Sees. Vom Strand bis zum Dörpladen hoch läuft man etwa einen Kilometer weit über eine kleine Landstrasse. An dem Nachmittag drohte der Wind einzuschlafen, weshalb wir noch vor der befürchteten Flaute wieder zurückkreuzen wollten. Dennoch kamen wir unplanmäßig spät oben am Dörpladen an, weil es an einem HC Hurricane ein technisches Problem gab. Matthias segelte zu unserem Erstaunen an uns am Ufer Wartenden vorbei, ohne dass wir zunächst wußten warum. Soweit ich das richtig erinnere, funktionierte der Ruderblattmechanismus nicht mehr richtig. Der ließ sich aber noch bei Alt Schwerin am Ufer schnell wieder instand setzen. Die Rückfahrt verlief für alle bei 2 – 3 Bft. problemlos.

– Zweimal segelten wir zu den beiden Imbissständen in der Seeluster Bucht. In der Mitte der Bucht liegt ein schöner breiter Sandstrand. Bei dem ersten Besuch durch Bernd und mich hatte der eine Stand geschlossen. Am anderen Imbisstand wurden wir von der Kellnerin mit den Worten begrüßt „Bratwürste sind ausverkauft.“ So blieb es bei Pommes – mit und ohne Bockwurst. Dafür führten wir eine interessantes Gespräch mit dem Inhaber, einem älteren Einheimischen. Er wußte u.a. zu erzählen, dass die Ufer des Plauer Sees vor dem zweiten Weltkrieg von vielen Nazigrößen und Organisationen besiedelt gewesen sein sollen.
Bei unserem zweiten Besuch der Seeluster Bucht waren wir mit mehreren Kats da. Jetzt hatte der andere Stand am Waldparkplatz geöffnet. Dort sind die leckeren Kartoffelpuffer mit Lachs zu empfehlen.

An zwei Abenden sahen wir uns Filme an. Danny zeigte seinen Film von der PSW 2017 und Christian führte den Film von unserem Ostseetörn in der dänischen Südsee vor. (Ein weiterer Törnbericht folgt.)

Kenterungen, Havarien und Mißgeschicke

– Der Skiff Segler der Uni Braunschweig segelte oft im Grenzbereich, kenterte entsprechend häufig, kam aber immer ohne Hilfe schnell wieder hoch.

– Christian beklagte an seinem HC Evo 2 defekte Pelikanhaken und einen Schäkel, siehe Foto unten.

– An Mirkos HC light riss erneut eine Naht am Ruderkopf. Über eine frühere Reparatur am Ruder hatte er hier im Forum berichtet. Sein Kat wurde von einem hilfsbereiten Motorbootfahrer zurück geschleppt.

– Als wir mit mehreren Booten auf Nordkurs segelten, bemerkte Frank, der gerade zur Abwechselung mal als Vorschoter auf meinem Ducky Duckys mitfuhr, dass er Robert mit seinem Smartkat hinter uns nicht mehr sehen könne. Ein Blick zurück. Auch mir gelang es nirgends, das leuchtend orangefarbene Segel zu sichten. Und falls Robert durchgekentert war, so waren die grauen, 5 m langen Rümpfe von der bewegten Wasseroberfläche nicht zu unterscheiden. Schließlich machten wir in passender Richtung mit Mühe etwas wie einen dunklen Schatten aus. Der erfahrene Segler Robert war offensichtlich tatsächlich bei nur knapp 4 Bft. gekentert. Wir konnten uns das zunächst nicht erklären. Frank und ich entschieden, mit dem Ducky zu Robert zurück zu kreuzen. Vor uns erreichten ihn Uli mit seinem MC 420 und Bruno mit seinem HC Evo, die beide in seiner Nähe blieben. Als wir mit dem Ducky Robert erreichten, hatte sich sogar die WaSchPo mit einem Festrumpf-Schauchboot eingestellt. An dieser Stelle nochmals besten Dank für die freundliche Unterstützung. Robert, der aus Überzeugung keine Kenterschutzboje im Masttopp fährt, konnte den durchgekenterten Smartie wohl wieder aufrichten. Nur hatte er anschließend Probleme mit dem Wiederaufstieg. Auf Frank und mich wirkte er etwas abgekämpft. Vielleicht war er auch schon leicht unterkühlt. Daher beschlossen wir, dass es vielleicht das Beste sei, wenn Frank zu ihm an Bord gehen würde. Wir segelten so behutsam wie es bei 4 Bft. möglich ist in Lee neben den Smartkat. Querab liegend, aber immer noch mit etwas Fahrt im Ducky, schaffte es Frank, immerhin ein 195 cm großer Hüne, mit einem gewaltigen Satz auf den Smartkat herüber zu springen, ohne bei dem Manöver selber ins Wasser zu fallen. Alle Boote trennten sich wieder voneinander Anschließend hatten Frank und Robert zusammen den Smartkat bei ihrer Rückkehr zum Campingplatz sicher im Griff. Was war passiert? Robert berichtete, am Smartie sei ihm beim Ausreiten schlagartig das Gelenk zwischen Pinne und Ausleger ausgerissen. Sein Kat luvte sofort an, stellte sich quer zur Welle und kenterte.

– Die Faltsegeljolle Delphin 140 von MTW kenterte bei 5 Bft.. Die jungen Leute konnten die Jolle zwar wieder aufrichten, hatten bei Wind und Welle aber ersichtlich Probleme das Wasser aus dem Cockpit wieder heraus zu bekommen. So trieben sie schnell Richtung Norden ab. Ein freundlicher Motorbootskipper half ihnen und schleppte sie schließlich in den Hafen von Plau am See. Ein Teil vom Holzgerüst soll durch die Kenterung verlustig gegangen sein.

Blies letztes Jahr eher zu wenig Wind, hatten wir dieses Jahr eher zu viel Wind. Guido und Mirko nutzten das stürmische Wetter und führten tollkühne Segelakrobatik vor. Nicht selten erreichen Ihre Kats Krängungen von über 45 Grad. Einmal kenterte Guido mit seinem HC Evo, konnte seinen Kat aber ohne fremde Hilfe alleine wieder aufrichten.

Am Freitag versammelten wir uns gegen 15.00 Uhr oben am Campingplatz in Tante Lindis Imbiss. Außer Kaffee und Pflaumenkuchen stand ein kleines Seminar zum Thema Luv- und Leegierigkeit auf dem Programm. Aber als es damit losgehen sollte, betrat Thomas mit schlechten Nachrichten den Pavillon. Unten am Platz habe der Wind so stark aufgefrischt, dass Boote und Zelte durch die Luft fliegen würden. Nach anfänglich ungläubigem Staunen, war es hier oben doch vergleichsweise windstill geblieben, liefen wir im Laufschritt herunter, um nach unseren Habseligkeiten zu schauen. Der Plauer See hatte sich verändert. Aus dem dunkelgrauen bis dunkelbraunen Wasser erhoben sich weiße Schaumkronen, die mit Wucht ans Ufer brandeten. Der Wind zerzauste das Geäst der sich biegenden Bäume. Auf der Bootswiese ging es wild zu. Blätter, Zweige und diverse Gegenstände flogen herum. Einige am Ufer liegende Boote waren umgekippt, Segel hatten sich losgemacht und killten wild, mein großes Wohnzelt lag gut 5 m weiter hinten an einer Hecke. Seine zahlreichen Heringe hatten sich allesamt losgerissen oder waren abgebrochen.

So fielen die für Sonntag geplante Nachtfahrt und die für Samstag geplante Regatta starkwindbedingt aus. Das ganze Regatta-Vorhaben stand dieses Jahr unter keinem guten Stern. Zuerst konnte Barkassenkapitän Danny mit seiner “Suhr” nach der langen Trockenheit nicht anreisen. Sein Schiff war als Regattabeobachtungsboot eingeplant gewesen. Dann zog zum Wochenende dauerhafter Starkwind auf und es sollte ja keine Risikoregatta stattfinden. Schließlich waren wichtige Regattateilnehmer aus den verschiedensten Gründen weggefallen. Vorjahressieger Christian mußte bereits am Freitag abreisen und konnte deshalb seinen Wanderpokal nicht verteidigen. Einige PSW-Teilnehmer hatten bis Freitag ihre Boote defekt gefahren oder ihre Boote waren an Land vom Sturm beschädigt worden. Andere wie z.B. Eckhard oder Christoph waren selber “defekt” (krank) und fielen aus. Schade drum.

2019 soll natürlich wieder eine Regatta stattfinden. Jedoch gibt es ein kleines Problem. Axel und Elke, unsere letztjährige Regattaleitung, monierten, dass alle aktuellen Grabner HC-Modelle auf dem Wasser auf die Entfernung vom Ufer aus nicht mit ausreichender Sicherheit und Schnelligkeit voneinander zu unterscheiden sind. Tatsächlich tragen nur wenige der schwarz-roten Grabner Großsegel eine Segelnummer. Daher überlegt Euch bitte, wie ihr 2019 Eure Grabner HCs ausreichend individuell kennzeichnet und unterscheidbar macht. Eine bereits vorhandene Segelnummer vom Grabner-Segler-Treffen würde insoweit bereits genügen. –

Die 6. Plauer Segelwoche findet – wie immer – in der 38. KW vom 16.09.2019 bis zum 23.09.2019 statt.

Alle Plätze auf der Bootswiese sind bereits ausgebucht. Wer sich noch nicht für 2019 angemeldet hat, dem sei die baldige Buchung der Stellplätze nördlich von Platz 252 und südlich von Platz 128 empfohlen.

Ralph, Initiator der PSW
Quelle: https://www.segeln-forum.de/user/blog17633-klabauterr/entry843-die-5-plauer-segelwoche-2018

Presseartikel aus Zeitungen und Zeitschriften

Hamburger Wochenblatt
Hamburger Wochenblatt: “Gefrage Models mit Silberglanz”, 19. März 2019


Bild der Frau: “Senioren-Models – Kommt Ihnen dieses Rentnerpaar bekannt vor?”, Januar 2018


FAZ am Sonntag: „Erfolg im Alter – Der ganz weiche Blick“, 02.06.2016


Alles für die Frau: „Wir sind gefragt und haben jede Menge Spaß“, März 2015


NDR: „Typisch! Neubeginn mit 66 – Model statt Rente„, 19.02.2015


www.fernsehserien.de, 15.02.2015


Bildzeitung: „Deutschlands erfolgreichste Werbe-Stars, 07.01.2015


Welt am Sonntag: „Täglich rundum wohlfühlen“, Februar 2013


Die Bundesregierung: „Erfahrung ist Zukunft“, 29.02.2012


Hamburger Wochenblatt, 10.12.2014


HAFENCITY ZEITUNG: „Eine Bibliothek geht auf Reisen“, 04.10.2009


Interessanter Briefwechsel zu diesem Buch…
Den hier besprochenen Film “Spuren der Vergangenheit” finden Sie unter dem Menuepunkt Videos.

Plauer Segelwoche 2017

Bericht von der „Plauer Segelwoche“ für zerlegbare Segelboote 2017

Die 4. Plauer Segelwoche (kurz: PSW) ist Geschichte. Dieses Jahr nahmen in chronologischer Reihenfolge diese Skipper bzw. Crews mit ihren Booten an unserem Treffen teil:

– Christian und Petra mit einem Graber HC Evolution
– Agnes und Ulrich mit einem Minicat 420
– Christoph und Helena mit einem Smartkat
– Ralph mit einem Ducky 17 und einem russischen Prostor Katamaran
– Peter mit einem Klepper AE20 und Mistral 2 Segelanlage
– Yaroslav mit einem finnischen Katamaran “Vesikissa”
– Frank mit einem Pouch RZ 85 Trimaran, Ketsch Eigenbau
– Jörn mit einem Pouch RZ85 Trimaran und Mistral 4 Segelanlage
– Claus mit einem Grabner HC Hurricane und einem Triton Vuoksa Trimaran
– Frank mit einem Feldkamp K100
– Volker mit einem Katamaran Eigenbau auf Kajakbasis
– Guido mit einem Grabner HC Evolution
– Dieter und Christian mit einem Grabner HC Racing
– Andreas mit einem Grabner HC Hurricane
– Ralf mit einem Minicat 420
– Jens mit einem Feldkamp K120 b
– Christoph und Sabine mit einem Smartkat Racing
– Jürgen und Daniela mit einem Pouch RZ 85 und Besegelung
– Ralph mit einem Wiking Cat 380
– Eckhard mit einem Pouch RZ 85 Trimaran Ketsch
– Robert mit einem Smartkat Racing (wegen Defekt nicht aufgebaut)
– Uli mit einem Minicat 420
– Thomas, Heide (und Lotte) mit einem Minicat 420
– Jörg mit einem Grabner HC Evolution
– Mirko mit einem Grabner HC Ultralight
– Bert mit einem Pouch RZ85 Ketsch mit Mistral 4 Segelanlage
– Ingo mit einem Pouch RZ85 Ketsch mit Mistral 4 Segelanlage
– Ingo mit einem Fest-Canadier, ein Segelumbau mit Lugger Rigg

Besuch erhielten wir ferner von Orientierungssuchenden, die sich ein neues Boot anschaffen wollten, sowie von Freunden und Angehörigen einiger PSW Teilnehmer. Besonders zu erwähnen sind insoweit Barkassenkapitän Danny und Axel und Elke. Diese PSW Teilnehmer kamen zwar ohne Boot, beteiligten sich aber aktiv am Treffen. Einige Teilnehmer hatten außer ihren o.g. Segelbooten auch noch aufblasbare oder faltbare Kajaks dabei.Die Verweildauer der Teilnehmer auf der PSW schwankte zwischen 3 und 12 Tagen.

Wurden wir in früheren Jahren von einem milden Altweibersommer verwöhnt, hatten wir dieses Jahr mit dem Wetter weniger Glück. Die vor uns auf der Bootswiese campierende Segler Gruppe der TU Braunschweig berichtete, sie hätten zwei Wochen Starkwind und Regenwetter erlebt. Wir hatten überwiegend kühle Tage und kalte Nächte mit sternenklarem Himmel. An ersten Abend schauten wir den Filmbericht von Danny über eine Barkassenfahrt mit Jens. Am anderen Abend hielt Christoph einen Lichtbildvortrag über den Bau seines Forumisten gut bekannten Daysailors to go. Die tiefen Temperaturen mögen ursächlich gewesen sein, dass anschließende Film- und Fotoabende im ungeheizten Sozialzelt von Jens dieses Jahr weniger Anklang fanden und es bei den beiden Vorführungen blieb.

Stattdessen zog es die PSW Besucher nach dem Grillen oder dem gemeinsamen Abendessen bei Einbruch der Dämmerung an die Feuerschale(n). Die Feuerschale hatte Barkassen-Kapitän Danny mitgebracht. Sie erfreute sich so großer Beliebtheit, dass unsere Nachteulen zuweilen bis 5.30 Uhr morgens an ihr sitzen blieben.

Abgesehen von den kalten Tagen hatten wir der häufigen Flaute zu trotzen. Wir nutzten die Flautenzeiten nicht zuletzt für etwas Segeltheorie und Schulung. Zunächst gab Eckhard für Einsteiger eine allgemeinere Einführung in das Segeln und erläuterte am Boot Fachbegriffe, etwa den Unterschied von Genua und Gennaker. Tags darauf hielt ich am Whiteboard einen Vortrag zu den Themen Vorfahrtsregeln /KVR, den Wind, seine Entstehung und Verhalten und seine optimale Umsetzung für den Segler. Ursprünglich waren weitere Segelschulungen, nicht zuletzt für Fortgeschrittene und Regattasegler, geplant gewesen. Aber Referent Klaus hatte wegen eines Krankheitsfalls in der Familie sein Kommen kurzfristig wieder abgesagt.

Flautenbedingt liefen wir dieses Jahr mehrere entfernte Ziele am Seeufer erstmalig nicht an, wie z.B. den Heidekrug im Leister Lank oder die Fischerhütte im Nordosten. An solchen flauen Tagen waren die Treffenteilnehmer im Vorteil, die sich auch noch ein Kanu und/oder ein Fahrrad mitgebracht hatte. Smartkatsegler Christoph hatte gar seine Triumph Tiger im Reisegepäck und MC 420 Segler Uli war ohnehin wieder mit Suzuki Bandit-Gespann und Anhänger angereist. Er übernachtete im Klappfix über seinem Motorrdanhänger. Christoph und Sabine hatten sich von der Campingplatzverwaltung ein beheiztes Schlaffass anliefern lassen. Die meisten PSW Teilnehmer übernachten idR im eigenen Caravan oder WoMo.

Im Norden unserer Bootswiese lagerten die Bastler. Frank, der sicherlich die mit Abstand meisten Werkzeuge und das größte Zubehörsortiment dabei hatte, werkelte fleissig an seinem bulligen Falttrimaran. Auf dem Stellplatz davor baute sich Klaus für seinen Hurricane eine funktionstüchtige Mastlegeanlage, die er später mit Jens erfolgreich ausprobierte. Außerdem fand er heraus, dass die Halsleine des Gennakers den Mast bei seiner Drehung stört.

Unter der Woche gab es zur Abwechselung auch mal kulinarische Abenteuer zu bewältigen. Pilzkenner Andreas hatte uns einen Korb Parasol Pilze gepflückt und der Allgemeinheit gespendet. Heide betätigte sich als Treffen-Köchin und bereitete uns die Pilze in ihrem großen Wok lecker zu. Gebraten erinnern Geschmack und Konsistenz der mir bis dahin unbekannten Pilze eher an Fleisch. Jedenfalls haben wir die Pilze alle überlebt.

Die finnische Firma Vesikissa hatte uns für die Plauer Segelwoche ein Schlauchkajak und einen 430 cm langen Segelkatamaran mit Mittelschwert zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Details des Katamarans mögen in den Augen vieler Minicat/Grabner/Smartkat Eigners rustikal wirken. Aber vielen PSW-Besichern gefiel das lange, durchgehende Trampolindeck und die Form der Rümpfe. Uli und ich, Robert und andere segelten ihn zur Probe. Dabei stellten wir fest, dass das Boot nicht langsam ist. Unseren subjektiven Eindruck bestätigte am Samstag Yaroslav durch sein gutes Abscheiden bei der Regatta. Auch mit Flaute kommt der 430 cm lange Kat mit nur 9,3 qm Segelfläche gut klar. Dafür mache ich vornehmlich das steif profilierte Groß verantwortlich.

Wer das Boot gesegelt ist, seine Meinung zu dem Boot kundtun möchte oder noch Fragen dazu hat, möchte sich auf Englisch oder Russisch per Mail melden bei: yarno@vesikissa.com

Am Samstag starteten wir um 14.00 Uhr unter der Leitung von Axel und Elke zur gemischten Regatta. Regattabedingungen:

Windstärke: 0 – 1 Bft. – gegen Ende leicht auffrischend
Seegang: Keiner, gelegentliche Motorbootwellen
Wetter: sonnig, bewölkt

Gesegelt wurde schlicht auf “Blaues Band” ohne Berücksichtigung etwaiger Yardstickverhältnisse. Ursprünglich angedacht war es, den langen Kurs quer über den See rund um die Kohlinsel zu segeln. Mangels Wind segelten wir jedoch lediglich um die nächste grüne Fahrwassertonne, die zwischen Lenz und Plau am See liegt. Diese “Luvtonne” konnte man mit zwei Schlägen erreichen. Auf dem Rückweg zur Ziellinie lag dann ein Schmetterlingskurs an. Gestartet wurde so:

1 x Tröten = noch 5 Minuten,
2 x Tröten = noch 1 Minute,
3 x Tröten = Start!

Beim Start herrschte eine fast perfekte Totenflaute und mir wurde berichtet, es habe mangels Ruderwirkung Rangeleien und Bootskontakte gegeben. Den besten Start hatte der “Faltkajakketsch-Ingo”, der auch lange vorne blieb, bis es Claus gelang, ihm mit seinem Hurricane die Führung abzunehmen. Zu der Zeit fuhr ich der Spitzengruppe hinterher bis ich entdeckte, dass das Schwert meines Duckys eine Wasserpflanze durchs Wasser mitschleifte. Nachdem ich die entfernt hatte gelang es mir Claus, dem Sieger des diesjährigen Grabner Seglertreffens 2017, einzuholen. Vor dem Zieleinlauf zog Christian, der die ganze Zeit weiter draußen gesegelt war, hinter meinem Rücken mit einer Bootslänge Vorsprung an mir durch die Ziellinie. Überraschenderweise querte Robert mit dem Prostor als Vierter die Ziellinie. Ihm folgten Yaroslav auf seinem Vesikissa und Guido mit seinem HC Evolution. Beide nahmen zum ersten Mal an der PSW teil und kannten das Revier noch nicht so gut. Alle folgenden Platzierungen entnehmt Ihr bitte der Regatta-Tabelle. Zwei weitere Regattateilnehmer konnten leider nicht in die Wertung aufgenommen werden und sind daher nicht aufgelistet. Einer davon, ein MC 420 Segler, hätte es vermutlich deutlich unter die ersten 10 Plätze geschafft. Damit die Regatta-Liste etwas mehr allgemeine Aussagekraft erhält, haben wir Euch außer der gesegelten Zeit auch Skipper, Skippergewicht und Besegelung angeführt.

Danny kündigte an, nächstes Jahr mit seiner historischen Hafenbarkasse auf dem Wasserweg zur PSW anzureisen. Er wird an der Marina anlegen und sein Boot während der Regatta für Beobachter, Fotografen und für die Regattaleitung zur Verfügung stellen.

Am Samstagabend saßen wir letztmalig mit versammelter Mannschaft bei Tante Lindi im Imbisszelt. Christian erhielt als schnellster Regattasegler den von Ekke Kaplan gestifteten Wanderpokal sowie zwei schöne Sachpreise, die uns die Firma Vesikissa gespendet hatte.

Am Sonntag, viel reisten bereits ab, stellten sich endlich Wind und Sonne ein, so dass wir über den späten Mittag in den Norden nach Alt-Schwerin herüber segelten, um dem idyllischen “Dörpladen” mit Bäckerei und Gastronomie einen Besuch abzustatten.
Wie im Vorjahr unternahmen Jörn, Claus und ich am Sonntagabend eine Nachtfahrt nach Plau am See. Der Hurricane wurde mit Positionslampen und Torqeedo ausgestattet und wir setzten in der einbrechenden Dämmerung bei schwachem Wind über. Einige andere PSW Teilnehmer folgten mit dem Auto auf dem Landweg. Gemeinsam speisten wir am Eldeufer in einem Nobelrestaurant, in dem wir schon letztes Jahr zu Gast waren. Zurück segelten wir bei auffrischendem Wind in vollkommener Dunkelheit. Das Nachtsegeln hat uns wieder Spaß gemacht. Wir wollen die Nachtfahrt am Sonntagabend nächstes Jahr wiederholen.

Am Montag, dem letzten Tag der PSW, als schon fast alle abgereist waren, schien die Sonne und der Wind frischte mittags bis zu 6 Bft. kräftig auf. Nach einigen morgendlichen Schlägen wurden die letzten Boote abgebaut. Das war das Ende der PSW 2017.

Bilanz der PSW 2017

“Seebestattungen”: dieses Jahr keine einzige! Havarien: 2

Auf dem mit drei Personen besetzten Ducky 17 kam der Mast herunter. Ich hatte beim Aufbau ein defektes Want (eigenverschuldeter Schaden) ausgetauscht, wobei ich das Ersatzwant am Masttoppbeschlag mit einem Kettenglied angeschlagen hatte. Zuerst löste sich dessen Schraubverschluss und Sekunden später bog es komplett auseinander. Davon abgesehen kam es zu keinen nennenswerten Personen- oder Sachschäden.

Ein Boot am Ufer war über Nacht am Baum angebunden und nur halb hochgezogen worden. Als nachts Wind und Welle aufkamen, machte es sich los und trieb zu einem Nachbarboot herüber, das hochgezogen fest auf dem Ufer lag. Das Heck stampfte in der Welle hoch und runter, wodurch es ständig an dem still-liegenden Nachbarboot schliff, so dass dessen Rumpf achtern leicht beschädigt wurde. Nächstes Jahr brauchen wir so etwas wie einen “Hafenmeister”, der die Bootsliegelätze am Ufer nach der Breite des Bootes und der Höhe des Mastes zuteilt und auch die nächtliche Vertäuung der Boote überwacht.

Kritik, Tendenzen und Ausblick

Am Uferweg und an unserem Uferstreifen wurde es mit unseren Booten zunehmend kritisch. Schuld sind die weit überhängenden Äste, die unseren Masten mit den empfindlichen Verklickern den Weg versperren. Die Campingplatzverwaltung will die Äste zur nächsten PSW zurück schneiden.

Erstmalig waren unsere Bootswiese und der Uferstreifen voll besetzt. Einige PSW Teilnehmer wichen bereits samt Boot auf entferntere Stellplätze aus. Die Campingplatzverwaltung kündigte an, dass wir nächstes Jahr weitere, direkt an der Bootswiese angrenzende Stellflächen dazu bekommen. Vermutlich wird die Teilnehmerzahl nächstes Jahr weiter wachsen, was ich mit etwas gemischten Gefühlen betrachte.

Die geplanten Yardstickvermessungen konnten mangels Personal und bei den schlechten Windverhältnissen nicht realisiert werden.

Auch dieses Jahr fanden keine “Faltdickschiff”-Segler an den Plauer See.

Zu danken haben wir

  • dem finnischen Hersteller Vesikissa für 2 Preisgewinne und die zwei Testboote,
  • Jens – wie gehabt – für Sozialzelt und Schwenkgrill,
  • Peter dafür, dass er uns einen Abend am Schwenkgrill mit Fleisch und Kohle versorgte,
  • Andreas und Heide für die außergewöhnlich Mittagsmahlzeit “Parasole mit Ei aus dem Wok”,
  • Barkassen Kapitän Danny für die Feuerschale,
  • Eckhard für seine Einführung in das Segeln,
  • Axel für die technische Leitung der abendlichen Filmvorführungen,
  • Uli und Agnes für die Kinoleinwand,
  • Christian für die Soundanlage dazu,
  • Ekke Kaplan für die Stifung des Wanderpokals,
  • Elke und Axel für die gewissenhafte Regattaleitung,
  • der Campingplatzverwaltung für die entgegenkommende, freundliche Kooperation.

Schließlich ist allen PSW Teilnehmern für Ihr tadelloses Benehmen zu danken. Die zufriedene Campingplatzverwaltung sagte mir ungefragt, es habe sich bei den PSW Teilnehmern ausschließlich um angenehme, unproblematische Gäste gehandelt. Ein ehrlich gemeintes Kompliment, das ich gerne an dieser Stelle wiederhole.

Die PSW 2018 findet vom 17.09.2018 bis zum 24.09.2018 statt!

Zieht in Erwägung, vielleicht schon etwas früher zu kommen und/oder etwas später abzureisen, wie es viele andere auch machen.
Euer Ralph, Initiator der PSW

Landzugang zum Whitestone River in Kanada

Der Landzugang zum oberen Whitestone River im Yukon Territory in Kanada

Orientierungshilfe für Austrainierte, die sich durch den absolut unberührten Busch und ohne Beihilfe eines Helikopters die namenlosen Quellwasser des oberen Whitestone Rivers/Yukon-Territory erlaufen möchten, um schließlich über den Porcupine- und den Yukon River die Beringsee zu erreichen (nicht für jedermann geeignet).

Danny Hilebrand

Dr. Bruno Benischek

von Danny Hildebrand und Dr. Bruno Benischek
Der Whitestone River und der obere Porcupine River sind ideale Flüsse für relativ erfahrene Wildnispaddler, welche einerseits die unberührte Wildnis suchen, andererseits aber körperlich in so guter Verfassung sein müssen, dass sie den schweren 6 bis 7-Tage-Marsch durch den kanadischen Busch bis zu den Quellgewässern des Whitestone Rivers mit der gesamten Ausrüstung durchstehen können. Die besondere Gefahr dieser Tour besteht darin, dass man sich für gut 4 Wochen in einer absoluten unberührten und menschenlosen Wildnis befindet. Hilfe von außen kann nicht erwartet werden. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich dringend ein PLB mitzuführen, was es zu der Zeit, als wir die Tour 1985 unternahmen, auf dem freien Markt noch nicht gab.

Weiterhin empfiehlt es sich, die Reise mit 4 Leuten anzugehen und keinesfalls Anfänger daran teilhaben zu lassen. Dem erfahrenen Wildniswanderer und Kanufahrer, der sorgfältig vorgeplant hat, wird sich jedoch eine Fülle unauslöschlicher Erlebnisse bieten und letztlich die Genugtuung bringen, etwas Außergewöhnliches erlebt zu haben. Klares und zumeist schnelles Wasser ohne eigentliche Stromschnellen, unberührte Wildnis, reichlich Wildtiere und in der Sommerzeit oft trockenes Festlandswetter, werden das Unternehmen auszeichnen.

Eine Zweimann-Crew (wir) mit einem 16-Fuß-Kanu benötigte 33 Tage, um vom Dempster Highway bis nach Old Crow zu gelangen, allerdings ohne Zeitdruck. Die Crew hätte die Strecke auch in 23 bis 25 Tagen bewältigen können. Um ohne Stress und mit heiler Seele die Marsch- und Flussstrecke “abzuarbeiten”, sind jedoch 4 Wochen Zeit empfehlenswert.

Beschreibung

  • Wasserschwierigkeitsgrad: 1 – 2 (keine Stromschnellen)
  • Beste Reisezeit: Juni bis August
  • Nächste Orte für Hilfe: Dempster Highway und Old Crow
  • Länge: 12 km Portage durch den Busch. 600 km Wasserweg (50 km bis zum Whitestone River, 120 km auf dem Whitestone River bis zur Mündung des Miner River, 200 km von der Einmündung des Miners auf dem Porcupine River bis zum Bell River, 180 km vom Bell bis nach Old Crow). Bei diesen Angaben handelt es sich um Flusskilometer!
  • Zeit:  25 bis 30 Tage
  • Kartenmaterial 1:  1: 250.000
    • Ogilvie River
    • Hart River
    • Porcupine River
    • Eagle River
    • Bell River
    • Old Crow
  • Kartenmaterial 2:  1: 50.000 (für die Portage und zum Whitestone River)
    • 116 G/9
    • 116 G/16
    • 116 H/12
    • 116 H/13
  • Gefahren
    • Lange und mühsame Anfangsportage durch wegloses Gelände.
    • Keine Möglichkeit Hilfe von außen zu bekommen (außer PLB).
    • Starke Verblockungen durch Büsche und Baumstämme auf den zuführenden Bächen und dem Flüsschen bis zum Whitestone River.
    • Schwälle und starke Kehrwasser.
  • Zugang: Dempster Highway 56 km nördlich der Ogilvie Bridge (Schotterdepot des Straßenbautrupps für den Highway)

 

Empfohlene Marschetappen für die Portage

Der Ausgangspunkt für die Portage ist leicht zu finden. Etwa 50 km nach der Ogilvie Bridge verlässt der Ogilvie River, der bis zu dieser Stelle mehr oder weniger parallel zum Dempster Highway verläuft, diesen, und wendet sich nach Osten. Dieser Punkt liegt etwa 7 km nördlich eines Airfields auf der rechten Seite des Highways, welches gut gekennzeichnet ist.

An dieser Stelle unterquert ein Bach, der immer Wasser führt, den Highway von West nach Ost. Hier beginnt der Highway in nördlicher Richtung anzusteigen. Oberhalb der Baumgrenze, nach etwa 6 km, sieht man links das große Schotterdepot des Straßenbaus liegen. Etwa 100 Meter weit führt ein Schotterweg zur Westseite des Depots, und genau dort liegt der Ausgangspunkt für die Tour und damit der Beginn der Portage hinunter in die fernen Täler. Von hier aus blickt man, über einen flachen halblinks liegenden baumlosen Bergrücken hinweg, in vier westlich liegende Täler. Etwa 100 Meter halbrechts ist der erste kleine Einschnitt zu finden, der bereits Wasser führt. Alle Wasser, die hier in westliche Richtung talwärts fließen, landen letztendlich im Porcupine River, denn hier oben auf dem Hochplateau befindet sich die Wasserscheide. Folgt man nun diesen Rinnsalen durch die nächsten 3 Täler, kommt man zwangsweise an paddelbares Fließgewässer. Es ist ratsam, diese Rinnsale nicht großräumig zu verlassen, da sie die Versorgung mit Trink- und Gebrauchswasser für die kommenden Tage sichern.

Das 4. und letzte Tal beherbergt schließlich einen paddelbaren Bach von bereits 5 bis 10 m Breite, der bis hinunter zum Whitestone River führt, in der Karte jedoch ohne Namen zu finden ist. Mit dem Fernglas ist dieser Bachlauf an einer Reihe auffallend hoher Fichten zu erkennen, welche seine Ufer säumen. Die davor liegenden 3 Talbäche sind nicht befahrbar, führen jedoch oft für wenige Meter Wasser, so dass kurzes Treideln möglich ist. Die Gesamtstrecke bis zum 4.Tal, also bis zum ersten, echten Paddelwasser, liegt etwa bei 12 km. Eine gut trainierte Truppe kann diese Strecke (je nach Ausrüstung) in 3 bis 6 Tagen schaffen (wir hatten 4 Rucksäcke a. 25 kg, das Kanu und Gewehre dabei, mussten jede Strecke also 5 Mal gehen und benötigten daher 7 Tage). Es ist empfehlenswert die einzelnen Tragestrecken im Abstand so zu legen, dass möglichst nicht mehr als 200 Meter zwischen ihnen liegen, sonst läuft man Gefahr, dass eventueller Bärenbesuch die Lebensmittelplanung für die nächsten 4 Wochen durcheinander bringt. Da es in dieser Wildnis keinen ausgetretenen Trail gibt, ist es zudem dringend empfehlenswert die jeweiligen Hinundherstrecken mit orange leuchtenden Jäger-Bändchen (in Kanada bei jedem Outfitter zu bekommen) zu markieren. So findet man schnell von Punkt zu Punkt und vertut seine kostbare Zeit nicht mit nutzloser Trailsucherei. Empfehlenswert sind hüfthohe Gummistiefel für die Feuchtpassagen.

Touranfang, auf der Wasserscheide

1. Etappe
Vom Ausgangspunkt an der Bergkuppe ist das Gelände hinunter ins Tal für etwa einen Kilometer recht gut und relativ leicht zu begehen, da sich weder Bäume noch sonstige Hindernisse dort befinden. Nach dieser Stecke muss man nach rechts hinüber auf einen ziemlich steilen Hang wechseln, der sehr dicht mit Sträuchern und Bäumen bewachsen ist. Es ist jedoch sinnvoll, sich möglichst dicht an dem tiefeingeschnittenen Bächlein zu halten, welches oft kaum sichtbar, doch wenigstens hörbar, etwa handbreit den Hochmoorboden in einer Tiefe von etwa 50 cm durchschneidet.

Nach etwa 3 km liegt linksseitig eine offene Fläche, welche hauptsächlich von Moos und Gras bewachsen ist. Sie kann nicht verfehlt werden, da sie gut sichtbar und auch schon von oben, dem Ausgangspunkt der Tour, als grünes, freies Areal auszumachen ist. Wenn man nicht im dichten Wald kampieren will, ist dieses die einzig akzeptable Lagermöglichkeit, obwohl der Boden ziemlich feucht und mit zahlreichen Mulden versehen ist, welche durch die typischen Moorgrasbüschel (sogenannte “Niggerheads”) entstanden sind. Für 3 bis 4 Zelte finden sich jedoch halbwegs vernünftige Lagerplätze. Das Baumwerk ringsherum ist zwar bis zu 100 Jahre alt, in der Regel jedoch nicht höher als 1 bis 3 Meter (Permafrost). Das tief eingeschnittene Bächlein befindet sich in unmittelbarer Nähe und führt auch in den warmen Sommermonaten gutes Trinkwasser.

Durch den Busch (7 Tage für 12 Kilometer Luftlinie)

2. Etappe
In diesem Fall ist es nun besser das Bächlein zu überqueren und ihm nicht weiter zu folgen, sondern schräg in Richtung des zweiten Tals zu marschieren. Man gelangt dabei schon nach knapp einem Kilometer auf eine sogenannte Cutline (Schneise). Man folgt dieser gut begehbaren Waldschneise solange, bis sie den Bach wieder erreicht hat. Da auf dieser Strecke die Orientierung relativ leicht ist, ist das Markieren des Weges mit Bändchen nicht vonnöten. Dieser Kreuzungspunkt ist gut geeignet als 2. Lagerplatz.

3. und 4. Etappe
Beide Etappen verlaufen auf der weiterführenden Cutline bis zum Ende des Tals, doch ist die Stecke von der Orientierung her zwar nicht so schwierig wie die Anfangspassage, birgt jedoch durch “Niggerheads”, Sumpfpassagen und Wurzelwerk die Gefahr eines Knöchel- oder Beinbruchs.

Danny Hildebrand

5. und 6. Etappe
Am Ende des 2. Tales endet nun die Cutline. An dieser Stelle schneidet eine neue Schneise im rechten Winkel den Weg. Folgt man dieser Linie in westlicher Richtung, erreicht man das 3. Tal und bald darauf einen Punkt, wo der nun zunehmend größer werdende Bach an einen steilen Berghang herankommt. Ab hier sollte man das Bachbett nicht mehr verlassen, sondern es als feuchten Trail stromab benutzen (Gummistiefel). Es ist eine etwa 3 km lange Strecke, die zwar äußerst schwierig, jedoch wesentlich leichter zu bewältigen ist, als der nahezu undurchdringliche Urwald der näheren Umgebung. Durch Biberdämme und andere Verblockungen staut sich das Wasser hin und wieder so auf, dass das Kanu für einige Meter zum Schwimmen gebracht werden kann (oh Freude)! Durch querliegende Baumstämme ist es jedoch zwangsweise erforderlich, das Bachbett öfter für kurze Zeit zu verlassen. Der Bach, dessen Bett nun schon mehrfach die Breite von bis zu 10 Metern erreicht hat, bietet auf zunehmenden Sandbänken gute Lagerplätze für die Nacht. Vollkommen überraschend kommt dann die Mündung dieses Creeks in den großen Bach unter den großen Bäumen, der durch das 4. und letzte Tal der Laufstrecke fließt und schon als Flüsschen bezeichnet werden kann. Dieses Flüsschen, welches nun hinunter bis zum Whitestone River führt, ist bis zu 10 Meter breit und kann, mit wenigen Ausnahmen und entsprechender Vorsicht, hervorragend bepaddelt werden.

Lagerfeuer am Whitestone River

Flussfahrt

Das Paddeln in diesem namenlosen Fluss ist abwechslungsreich und relativ einfach. Ruhiges, tiefes Wasser wechselt sich ab mit flachen, schnellen Passagen, Presswasser, Kehrwassern und engen Kurven, ist jedoch ohne Stromschnellen. Besonders achten muss man auf plötzlich auftauchende Hindernisse wie überhängende Bäume und Büsche (Sweeper). Das Wasser ist glasklar, und es gibt zahlreiche Sandbänke mit guten Lagerplätzen. Fische gibt es reichlich: Äsche (Arctic Grayling), Shefish, Hecht und Wels). Die, auf der Karte eingezeichneten Nebenbäche können ausgetrocknet sein, die letzten beiden, kurz vor der Einmündung in den Whitestone River allerdings (links und rechts), bieten sehr gute Angelmöglichkeiten. Dieser Punkt ist nach etwa 50 Kilometern erreicht. An der Einmündung in den von links kommenden Whitestone River, gibt es ein starkes Kehrwasser, welches jedoch problemlos passiert werden kann. Links, also von der Mündung stromauf, befindet sich eine kilometerlange Sandbank, die hervorragende Lagermöglichkeiten bietet. Angeln im Mündungsbereich ist vielversprechend (Shefish).

Bis zur Einmündung in den Miner River sind es nun noch etwa 120 Flusskilometer. Der, an sich harmlos dahinfließende, Whitestone River ist streckenweise doch rasant, ebenfalls glasklar und macht durch die weißen Steine auf dem Flussgrund seinem Namen alle Ehre. Stromschnellen gibt es auf der ganzen Strecke nicht. Lediglich einige unübersichtliche und schnelle Kurven mit entsprechenden Kehrwassern und diverse Log Jams mahnen zur Vorsicht. Ende Juli findet man an den Waldrändern Himbeeren und Johannisbeeren in Hülle und Fülle. Außerdem gibt es alle Arten von Bodenfrüchten wie Moos- und Heidelbeeren sowie hervorragende Pilze. Der Fluss ist voll mit Fischen. Um Hechten mit abgerissenen Angelhaken im Maul einen qualvollen Tod zu ersparen, benutzt man grundsätzlich ein Stahlvorfach (der Hecht hat messerscharfe Zähne), auch wenn man auf Äschen geht (sie beißen trotzdem)!

Der Fluss bietet auf seiner gesamten Strecke ausgezeichnete Lagerplätze mit ausreichend Feuerholz. Wilder Schnittlauch, auf vorwiegend blitzsauberen Sandbänken, rundet die abendlichen Mahlzeiten ab. Die übersichtlichen Sandbänke sind aus mücken- und bärentechnischen Gründen als Lagerplätze empfehlenswert. Einmündende Bäche sind oft schwer zu entdecken, da sie häufig, für den Paddler unsichtbar, in tote Arme einmünden und im Sommer wenig Wasser führen.

Reichlich Hechte

Das in der Karte eingetragene Whitestone Village besteht nicht mehr. Knapp oberhalb der ehemaligen Siedlung stößt man auf ein paar verfallene Blockhütten. Kurz vor der Einmündung in den Miner River befinden sich einige Inseln in dem nun breiteren Flussbett, so dass sich mehrere Kanäle gebildet haben. Bei Niedrigwasser kann es daher schwierig sein, die richtige Passage mit ausreichend Wasser unter dem Kiel zu finden. Der Miner River entspringt wie der Whitestone River in den Ogilvie Mountains, ist daher genau so klar und kommt mit einer starken Strömung von links herangeschossen. Ab hier heißt der Fluss nun Porcupine River.

Die riesige Sandbank in der Einmündung taugt wegen ihrer großen Steine nicht als Lagerplatz, man findet jedoch etwa 3 km weiter stromab, kurz vor der Einmündung des Cody Creeks, auf der linken Flussseite eine ebenso große Sandbank mit hervorragenden Lagerplätzen und guten Angelmöglichkeiten auf Graylings.Der Porcupine River wird nun ständig breiter und die Strömungsgeschwindigkeit verringert sich zusehends. Das Wasser bleibt klar. Die Angelmöglichkeiten beschränken sich mehr und mehr auf Hechte, welche allerdings reichlich vorhanden sind. Etwa 8 km oberhalb der Einmündung des Little Porcupine R. steht ein relativ gut erhaltenes Cabin der Old-Crow-Indianer am hohen, rechten Ufer und ist nur ganz selten von ihnen bewohnt. Auf der nachfolgenden Flusstrecke gibt es noch mehrere Cabins, die jedoch verfallen und nicht einmal mehr als Not-Camps geeignet sind. Für die Weiterreise von dem Camp der Old-Crow-Indianer sollte man frühzeitig aufbrechen, da die folgende Tagesstrecke nur nasse grüne oder schlammige Uferstücke, jedoch keine geeigneten Sandbänke zum Lagern bietet und die Suche erst sehr spät abends zum Erfolg führen kann.

Caribous an der Bell-River-Mündung

Vor der Einmündung des Bell Rivers steht rechts auf dem hohen Ufer ein ganz passables Cabin. In der Regel wird der Fluss ab hier nun trübe, da der einmündende Bell River meistens sehr viel Sediment aus den Eagle Plains herantransportiert. Mitte August kann man in diesem Bereich oft größere, nach Süden ziehende, Caribou-Herden beobachten. Von hier bis Old Crow findet man ausreichend gute Lagerplätze am Fuße der sanften Hügelketten, die den Fluss jetzt auf viele Meilen begleiten. Auch Sandbänke sind in ausreichender Menge vorhanden, doch sollte man tunlichst vermeiden in unmittelbarer Wassernähe zu zelten, da der Porcupine River durch Regenfälle in den Quellgebieten für sein plötzliches Ansteigen (bis zu einem Meter) hinreichend bekannt ist.

Bis Old Crow hinunter begegnet man nun immer mal wieder indianischen Einwohnern des Ortes, die auf der Jagd sind und auch die gelegentlichen Cabins an beiden Seiten des Flusses bewohnen. In Old Crow kann man sich problemlos mit kleinen Propellermaschinen ausfliegen lassen. Die Kanus jedoch müssen vor Ort bleiben…

Kindheit während des Nationalsozialismus

Wie mir die Nationalsozialisten die Kindheit raubten oder Der seidene Faden des richtigen Namens

Von Friedrich (Danny) Hildebrand
Als mein Lehrer, Herr Fissan, mich 1942 in Frankfurt/Main an meinem 1. Schultag ziemlich barsch fragte „wie ist deine Konfession – deine Glaubensrichtung“ konnte ich ihm die Frage als Sechsjähriger natürlich nicht beantworten und stellte sie, wieder zu Hause angekommen, meiner Mutter. „Sag ihm, du seist gottgläubig“ waren ihre knappen Worte, was auch immer sie damit auszudrücken versuchte. Da mein Lehrer anderntags jedoch nicht mehr nachfragte, behielt ich die Antwort für mich. Erst viele Jahre später begriff ich langsam was er wohl gemeint haben könnte, denn meine Mutter hätte, bereits verstehend, einfach und direkt auch sagen können „sag ihm, du seist kein Jude“!

Ich konnte diese seltsame und für mich irgendwie bedrückende Frage meines allerersten Lehrers zeitlebens nicht vergessen, doch als ich später alte Fotos aus jener Zeit betrachtete, erkannte ich plötzlich, dass ich mit meinen rabenschwarzen Haaren recht exotisch aussah und begriff dann allerdings auch, warum er die Frage nach meiner Konfession ein zweites Mal nicht mehr stellen musste: wahrscheinlich hat er, als er durch die Schulbänke ging und mir überraschend besagte Frage stellte (als Einzigem übrigens), meinen Namen noch nicht gekannt – mich vermutlich nur nach meinem äußeren Erscheinungsbild „einsortiert“. In den folgenden Stunden oder vielleicht schon kurz danach entdeckte er dann meinen Familiennamen und die Sache war für ihn erledigt. Einer der Hildebrand heißt kann kein Jude sein, denn einen urdeutscheren Namen konnte es wohl kaum noch geben! Und nebenbei gesagt, was er natürlich nicht wissen konnte war, dass meine Großmutter waschechte Norwegerin war – germanischer ging es also gar nicht, und der Stammbaum der Hildebrands geht lückenlos bis 1612 zurück!

Wenn ich all die Filme, die ich im Laufe des Lebens über die Nazizeit (welche ich ja in ihren schlimmsten Phasen von 1936 bis 1945 selbst miterleben musste) in Betracht ziehe und dazu noch alles Gelesene über diese Schreckenszeit hinzufüge, kommt mir immer wieder der Gedanke und die Erkenntnis, was hast du doch für ein Glück gehabt! Hätte ich Goldberg, Abrahamsohn oder Rosengarten geheißen, wäre ich vermutlich nicht mehr am Leben. Ich aber war evangelisch, hieß Hildebrand und ein sogenannter Ariernachweis hätte kein Problem dargestellt. Und so bin ich also davongekommen. Davongekommen von Eltern- und Geschwistertrennung, Hunger, Durst, Folter, menschlichen Versuchen, unendlichem Leid und schließlich qualvollem Tod – ein hauchdünn ethnischer Faden meiner Herkunft war hier lebensentscheidend!

Und wenn ich heute diese tumben Nazis brüllen höre, sehe ich im Geiste sofort dieselben Charaktere, die seinerzeit so viel Unheil über die Welt gebracht haben und ganz sicher ohne Skrupel bereit wären, das alles in gleicher Weise zu wiederholen…

Ich bin durch die rigorose Handlungsweise dieser Verbrecher in meinem „kleinen Leben“ fünf Mal evakuiert bzw. vertrieben worden, habe mit meiner Mutter und 2 Geschwistern zitternd vor Angst im Keller unseres Frankfurter Hauses der schießenden Flak und dem Heulen der fallenden Bomben zuhören müssen, immer damit rechnend, die nächste könnte auch uns treffen. Nach der Entwarnung durch den erlösenden Dauerton dieser bis heute für mich gänsehautmachenden Sirenen, ging meine Mutter mit uns Kindern jeweils an ein oberes Fenster des Hauses und zeigte uns das brennende Frankfurt – den Geruch des muffigen Luftschutzkellers mit seinem Flucht-Durchbruch zum Nachbarhaus noch immer in der Nase. Und als wir die Stadt nach weiteren Angriffen schließlich flüchtend verließen, war unser Haus bereits nur eine Woche später dem Erdboden gleichgemacht. Glück gehabt!

Glück gehabt? Es ging in den Dillkreis aufs Land. Ein Jahr später weiter nach Jena, wo meine Eltern sich scheiden ließen (ich dadurch auch noch meine leibliche Mutter verlor), dann ging es von dort aus mit einer neuen „Mutter“ (zeitlebens lieblos mir gegenüber) in ein Dorf am Harz, bis schließlich mit dem Einzug der Amerikaner das erlösende Ende des Krieges kam. Aber auch von dort mussten wir wieder umziehen. Wir übersiedelten nach Hamburg, wo ich noch ein 9. und letztes Schuljahr abzuleisten hatte. Am Algebra-Unterricht musste oder durfte ich nicht mehr teilnehmen, da wir ein solches Fach in der vorangegangenen Dorfschule zu der Zeit noch nicht hatten. Wieder verlor ich Freunde und Klassenkameraden, und nach bewährtem Muster musste ich mich, wie schon 4 X zuvor, im wahrsten Sinne des Wortes erneut durchboxen und aufs Neue beweisen. Dass ich die Schule trotz Allem mit einem guten Notenschnitt beenden konnte, grenzt an ein Wunder.

Mein Vater war während der 6 Kriegsjahre (1939 bis 1945) nicht präsent, mit Ausnahme von wenigen kurzen Heimaturlauben. Nach dem Krieg konnte er uns mit seiner Begabung als Künstler (ehem. Student der Dresdener Kunstakademie) auf dem Lande natürlich nicht ernähren (Bilder gegen Schinken gingen nur selten), und so verließ er uns bald wieder, um irgendwo weit weg von uns, einer Arbeit als Redakteur für eine französische Militärzeitung nachzugehen. So hatte ich in meiner wichtigsten Entwicklungszeit für gut 13 Jahre keinen wirklichen Vater. Als er schließlich wieder zu uns stieß, wurden wir nicht mehr warm miteinander. Ich fühlte mich mittlerweile „erwachsen“ – war bereits im 2. Lehrjahr des KFZ-Mechanikerhandwerks. Durch das rückblickend mehrfache Umschulen, die lieblosen Familienverhältnisse (kein Vater, keine zur Hilfe fähige Stiefmutter) war ich nicht in der Lage 1946 die, nach dem 4. Schuljahr, anstehende Aufnahmeprüfung für die sogenannte Oberschule in Seesen zu bestehen – war einfach „zu doof“ dazu.

Wie eine Kinderseele mit all dem Vorangegangenem umgeht, musste ich während meines ganzen späteren Lebens bitter erfahren: ich war häufig jähzornig und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zudem sehr empfindlich, wobei sich Letzteres bis heute erhalten hat. Der Verdacht auf Minderwertigkeitskomplexe konnte nie wirklich ausgeräumt werden, denn man(n) war arm, hatte nichts, war ohne echte Heimat, ohne echte Familie und am Ende Autoschlosserlehrling. Durch all das, so vermute ich jedenfalls im Nachhinein, entwickelte sich im Laufe des Lebens so eine Art Profilneurose, die ich mehr und mehr zu bedienen wusste.

Vielleicht aber sind diese gemachten oder auch nicht gemachten Kindheitserfahrungen der wahre Grund dafür, dass all die Dinge, die mein späteres Leben so sehr interessant machten und es übrigens noch immer tun, überhaupt erst in Gang gesetzt worden. So sollte ich also besser nicht klagen.

Klagen aber möchte ich über die aktuellen Nazischreihälse und auch über unsere europäischen Politiker. Letztere gehen mir z. Zt. ein wenig zu lax mit dem so eisern erworbenen siebzigjährigen Frieden um, und ich kann für meine Kinder, Enkelkinder und Europa nur hoffen, dass es nie wieder zu solch blutigen Auseinandersetzungen hier kommt, wie seinerzeit durch Nazideutschland. Vor allen Dingen hoffe ich, dass die Braunen nicht erneut die Oberhand gewinnen, wie es sich gerade so schleichend abzuzeichnen scheint. Die Nazis schließlich waren es ja, die mir mein kleines, kindliches Frankfurter Gartenparadies mit Sandkiste, Schaukel, grünem Rasen, eine unbeschwerte Kindheit und später die heile Welt einer geordneten Familie genommen haben.

Und so sollte der unten anzuklickende und ganz neu zusammengeschnittene Dokumentarfilm damaliger Kriegsberichterstatter mit seinen entsetzlichen Szenen aus befreiten Konzentrationslagern, denen ich nur durch einen ethnischen Zufall entkommen bin, Pflichtteil eines jeden Schulprogramms werden. Es soll niemand mit dem Satz kommen dürfen: „können wir nicht endlich mal einen Schlussstrich ziehen“!

Merke: es gibt keine Schlussstriche in der Geschichte!

Night will fall – Dokumentarfilm

(Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen)

Als Seemann auf der MS John Bakke

Norwegischer Stückgut-Tramp-Frachter MS John Bakke

Baujahr 1929, 8330 tdwt, 2 x 6 cyl. 4T EV Götawerke B&W, Doppeldiesel, 2 Schrauben, Speed 10,5 knots, 120m Länge

Mit diesem Schiff bin ich nach meiner Lehrzeit als KFZ-Mechaniker von 1956 bis 1957 eineinhalb Jahre lang als Seemann (Smörer im Maschinenraum) „durch die Welt“ gefahren. Und das in einer Zeit, als in Deutschland noch niemand reisen konnte – allenfalls mal an den Bodensee. Wie junge Leute heutzutage nach der Schule ein halbes oder ganzes Auslandsjahr machen (war in unserer Jugend ganz ausgeschlossen), fuhren viele Jugendliche meiner Generation damals für eine Weile erst einmal zur See, um sich in erster Linie von zu Hause abzunabeln.

MS John Bakke

Erst in den letzten Jahren erfuhr ich durch das Internet, welch „bewegte“ Vergangenheit mein Schiff bereits hinter sich hatte, bevor ich es am 3. Januar 1956 in Kiel betrat: Während des 2. Weltkriegs nahm es an mehreren Konvoi-Fahrten von den USA nach England teil und war sogar mit einer Flugabwehrkanone bestückt. 1929 war es eines der ersten Schiffe, welches mit modernen Dieselmotoren ausgerüstet war. Die beiden Maschinen waren im Gegensatz zu heutigen Aggregaten riesig und erstreckten sich auf einer Höhe von 3 Stockwerken. Fiel eine der Maschinen durch Ventilschaden aus, was häufig geschah, fuhren wir mit der anderen weiter. Die fast mannshohen Ventile konnten wir in einem Store des Maschinenraums selbst überholen und waren in gut einer halben Stunde austauschbar. Ich habe in den 1½ Jahren auf diesem Schiff diverse, teilweise recht schlimme Stürme erlebt, jedoch richtige Angst hatte ich aufgrund jugendlicher Unbekümmertheit (Kaventsmänner waren noch unbekannt) dabei nicht. Auch seekrank wurde ich nie und erst ca. 30 Jahre später lernte ich auf einer Segeltour von Dänemark nach Heiligenhafen, wie schrecklich so etwas sein kann…

Im August 1964 hatte die „John Bakke“ auf einer Reise von Murmansk nach Kookola ihre erste Havarie und lief auf Grund. Sie wurde nach der Bergung in Haugesund wieder fahrtüchtig gemacht anschließend an eine Verschrottungsfirma verkauft, wofür das brave Schiff am 17. Oktober 1964 seine letzte Reise antrat.

Wir fuhren seinerzeit Erz, Leder, Stahlbleche, Getreide, lebende Schafe (Australien – Singapur) etc. und wussten oft erst im letzten Moment, was die nächste Fracht war und wo die Reise hinging. Die Liegezeit für das Ent- und Beladen betrug oft bis zu 2 Wochen, worüber wir Seeleute, im Gegensatz zu den armen Teufeln heutiger Containerschiffe, natürlich nicht unglücklich waren, denn so konnten wir jeweilig „Land und Leute“ erforschen und kennenlernen. Ganz nebenbei lernte ich auf dem Schiff Norwegisch, worauf besonders meine norwegische Großmutter stolz war.

Die Reise begann in Kiel und endete 1½ Jahre später in Frankreich.

Die Route: Gotland (Schweden), Vlissingen (Holland), Gibraltar, Port Said (Ägypten), Kuwait, Karatschi (Pakistan), Mormugao (Goa), Singapur, Christmas Island (indischer Ozean), Geralton, Perth, Fremantle, Bunbury (alles Australien), Singapur, Hongkong, Kobe, Himeji (Japan), Yokohama, Tokio, Kamaishi (Nordjapan), Victoria Island, Vancouver, Seattle, Portland, Nachodka (Russland), Kobe, Yokohama, Singapur, Kalkutta, Vishakhapatnam (Ostindien), Kapstadt, Boulogne-sur-Mer (Frankreich).

Die letzte Reise ging um ganz Afrika herum, weil der kürzere Weg durch den Suezkanal wegen der Suezkrise versperrt war.

Identischer Bericht als PDF: Mit der MS John Bakke (Haugesund) auf Trampfahrt durch die halbe Welt