Bericht von der „Plauer Segelwoche“ für zerlegbare Segelboote 2017

Die 4. PSW ist Geschichte. Dieses Jahr nahmen in chronologischer Reihenfolge diese Skipper bzw. Crews mit ihren Booten an unserem Treffen teil:

– Christian und Petra mit einem Graber HC Evolution
– Agnes und Ulrich mit einem Minicat 420
– Christoph und Helena mit einem Smartkat
– Ralph mit einem Ducky 17 und einem russischen Prostor Katamaran
– Peter mit einem Klepper AE20 und Mistral 2 Segelanlage
– Yaroslav mit einem finnischen Katamaran “Vesikissa”
– Frank mit einem Pouch RZ 85 Trimaran, Ketsch Eigenbau
– Jörn mit einem Pouch RZ85 Trimaran und Mistral 4 Segelanlage
– Claus mit einem Grabner HC Hurricane und einem Triton Vuoksa Trimaran
– Frank mit einem Feldkamp K100
– Volker mit einem Katamaran Eigenbau auf Kajakbasis
– Guido mit einem Grabner HC Evolution
– Dieter und Christian mit einem Grabner HC Racing
– Andreas mit einem Grabner HC Hurricane
– Ralf mit einem Minicat 420
– Jens mit einem Feldkamp K120 b
– Christoph und Sabine mit einem Smartkat Racing
– Jürgen und Daniela mit einem Pouch RZ 85 und Besegelung
– Ralph mit einem Wiking Cat 380
– Eckhard mit einem Pouch RZ 85 Trimaran Ketsch
– Robert mit einem Smartkat Racing (wegen Defekt nicht aufgebaut)
– Uli mit einem Minicat 420
– Thomas, Heide (und Lotte) mit einem Minicat 420
– Jörg mit einem Grabner HC Evolution
– Mirko mit einem Grabner HC Ultralight
– Bert mit einem Pouch RZ85 Ketsch mit Mistral 4 Segelanlage
– Ingo mit einem Pouch RZ85 Ketsch mit Mistral 4 Segelanlage
– Ingo mit einem Fest-Canadier, ein Segelumbau mit Lugger Rigg

Besuch erhielten wir ferner von Orientierungssuchenden, die sich ein neues Boot anschaffen wollten, sowie von Freunden und Angehörigen einiger PSW Teilnehmer. Besonders zu erwähnen sind insoweit Barkassenkapitän Danny und Axel und Elke. Diese PSW Teilnehmer kamen zwar ohne Boot, beteiligten sich aber aktiv am Treffen. Einige Teilnehmer hatten außer ihren o.g. Segelbooten auch noch aufblasbare oder faltbare Kajaks dabei.Die Verweildauer der Teilnehmer auf der PSW schwankte zwischen 3 und 12 Tagen.

Wurden wir in früheren Jahren von einem milden Altweibersommer verwöhnt, hatten wir dieses Jahr mit dem Wetter weniger Glück. Die vor uns auf der Bootswiese campierende Segler Gruppe der TU Braunschweig berichtete, sie hätten zwei Wochen Starkwind und Regenwetter erlebt. Wir hatten überwiegend kühle Tage und kalte Nächte mit sternenklarem Himmel. An ersten Abend schauten wir den Filmbericht von Danny über eine Barkassenfahrt mit Jens. Am anderen Abend hielt Christoph einen Lichtbildvortrag über den Bau seines Forumisten gut bekannten Daysailors to go. Die tiefen Temperaturen mögen ursächlich gewesen sein, dass anschließende Film- und Fotoabende im ungeheizten Sozialzelt von Jens dieses Jahr weniger Anklang fanden und es bei den beiden Vorführungen blieb.

Stattdessen zog es die PSW Besucher nach dem Grillen oder dem gemeinsamen Abendessen bei Einbruch der Dämmerung an die Feuerschale(n). Die Feuerschale hatte Barkassen-Kapitän Danny mitgebracht. Sie erfreute sich so großer Beliebtheit, dass unsere Nachteulen zuweilen bis 5.30 Uhr morgens an ihr sitzen blieben.
Abgesehen von den kalten Tagen hatten wir der häufigen Flaute zu trotzen. Wir nutzten die Flautenzeiten nicht zuletzt für etwas Segeltheorie und Schulung. Zunächst gab Eckhard für Einsteiger eine allgemeinere Einführung in das Segeln und erläuterte am Boot Fachbegriffe, etwa den Unterschied von Genua und Gennaker. Tags darauf hielt ich am Whiteboard einen Vortrag zu den Themen Vorfahrtsregeln /KVR, den Wind, seine Entstehung und Verhalten und seine optimale Umsetzung für den Segler. Ursprünglich waren weitere Segelschulungen, nicht zuletzt für Fortgeschrittene und Regattasegler, geplant gewesen. Aber Referent Klaus hatte wegen eines Krankheitsfalls in der Familie sein Kommen kurzfristig wieder abgesagt.

Flautenbedingt liefen wir dieses Jahr mehrere entfernte Ziele am Seeufer erstmalig nicht an, wie z.B. den Heidekrug im Leister Lank oder die Fischerhütte im Nordosten. An solchen flauen Tagen waren die Treffenteilnehmer im Vorteil, die sich auch noch ein Kanu und/oder ein Fahrrad mitgebracht hatte. Smartkatsegler Christoph hatte gar seine Triumph Tiger im Reisegepäck und MC 420 Segler Uli war ohnehin wieder mit Suzuki Bandit-Gespann und Anhänger angereist. Er übernachtete im Klappfix über seinem Motorrdanhänger. Christoph und Sabine hatten sich von der Campingplatzverwaltung ein beheiztes Schlaffass anliefern lassen. Die meisten PSW Teilnehmer übernachten idR im eigenen Caravan oder WoMo.

Im Norden unserer Bootswiese lagerten die Bastler. Frank, der sicherlich die mit Abstand meisten Werkzeuge und das größte Zubehörsortiment dabei hatte, werkelte fleissig an seinem bulligen Falttrimaran. Auf dem Stellplatz davor baute sich Klaus für seinen Hurricane eine funktionstüchtige Mastlegeanlage, die er später mit Jens erfolgreich ausprobierte. Außerdem fand er heraus, dass die Halsleine des Gennakers den Mast bei seiner Drehung stört.

Unter der Woche gab es zur Abwechselung auch mal kulinarische Abenteuer zu bewältigen. Pilzkenner Andreas hatte uns einen Korb Parasol Pilze gepflückt und der Allgemeinheit gespendet. Heide betätigte sich als Treffen-Köchin und bereitete uns die Pilze in ihrem großen Wok lecker zu. Gebraten erinnern Geschmack und Konsistenz der mir bis dahin unbekannten Pilze eher an Fleisch. Jedenfalls haben wir die Pilze alle überlebt.

Die finnische Firma Vesikissa hatte uns für die Plauer Segelwoche ein Schlauchkajak und einen 430 cm langen Segelkatamaran mit Mittelschwert zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Details des Katamarans mögen in den Augen vieler Minicat/Grabner/Smartkat Eigners rustikal wirken. Aber vielen PSW-Besichern gefiel das lange, durchgehende Trampolindeck und die Form der Rümpfe. Uli und ich, Robert und andere segelten ihn zur Probe. Dabei stellten wir fest, dass das Boot nicht langsam ist. Unseren subjektiven Eindruck bestätigte am Samstag Yaroslav durch sein gutes Abscheiden bei der Regatta. Auch mit Flaute kommt der 430 cm lange Kat mit nur 9,3 qm Segelfläche gut klar. Dafür mache ich vornehmlich das steif profilierte Groß verantwortlich. Wer das Boot gesegelt ist, seine Meinung zu dem Boot kundtun möchte oder noch Fragen dazu hat, möchte sich auf Englisch oder Russisch per Mail melden bei: yarno@vesikissa.com

Am Samstag starteten wir um 14.00 Uhr unter der Leitung von Axel und Elke zur gemischten Regatta. Regattabedingungen:

Windstärke: 0 – 1 Bft. – gegen Ende leicht auffrischend
Seegang: Keiner, gelegentliche Motorbootwellen
Wetter: sonnig, bewölkt

Gesegelt wurde schlicht auf “Blaues Band” ohne Berücksichtigung etwaiger Yardstickverhältnisse. Ursprünglich angedacht war es, den langen Kurs quer über den See rund um die Kohlinsel zu segeln. Mangels Wind segelten wir jedoch lediglich um die nächste grüne Fahrwassertonne, die zwischen Lenz und Plau am See liegt. Diese “Luvtonne” konnte man mit zwei Schlägen erreichen. Auf dem Rückweg zur Ziellinie lag dann ein Schmetterlingskurs an. Gestartet wurde so:
1 x Tröten = noch 5 Minuten,
2 x Tröten = noch 1 Minute,
3 x Tröten = Start!
Beim Start herrschte eine fast perfekte Totenflaute und mir wurde berichtet, es habe mangels Ruderwirkung Rangeleien und Bootskontakte gegeben. Den besten Start hatte der “Faltkajakketsch-Ingo”, der auch lange vorne blieb, bis es Claus gelang, ihm mit seinem Hurricane die Führung abzunehmen. Zu der Zeit fuhr ich der Spitzengruppe hinterher bis ich entdeckte, dass das Schwert meines Duckys eine Wasserpflanze durchs Wasser mitschleifte. Nachdem ich die entfernt hatte gelang es mir Claus, dem Sieger des diesjährigen Grabner Seglertreffens 2017, einzuholen. Vor dem Zieleinlauf zog Christian, der die ganze Zeit weiter draußen gesegelt war, hinter meinem Rücken mit einer Bootslänge Vorsprung an mir durch die Ziellinie. Überraschenderweise querte Robert mit dem Prostor als Vierter die Ziellinie. Ihm folgten Yaroslav auf seinem Vesikissa und Guido mit seinem HC Evolution. Beide nahmen zum ersten Mal an der PSW teil und kannten das Revier noch nicht so gut. Alle folgenden Platzierungen entnehmt Ihr bitte der Regatta-Tabelle. Zwei weitere Regattateilnehmer konnten leider nicht in die Wertung aufgenommen werden und sind daher nicht aufgelistet. Einer davon, ein MC 420 Segler, hätte es vermutlich deutlich unter die ersten 10 Plätze geschafft.
Damit die Regatta-Liste etwas mehr allgemeine Aussagekraft erhält, haben wir Euch außer der gesegelten Zeit auch Skipper, Skippergewicht und Besegelung angeführt.

Danny kündigte an, nächstes Jahr mit seiner historischen Hafenbarkasse auf dem Wasserweg zur PSW anzureisen. Er wird an der Marina anlegen und sein Boot während der Regatta für Beobachter, Fotografen und für die Regattaleitung zur Verfügung stellen.

Am Samstagabend saßen wir letztmalig mit versammelter Mannschaft bei Tante Lindi im Imbisszelt. Christian erhielt als schnellster Regattasegler den von Ekke Kaplan gestifteten Wanderpokal sowie zwei schöne Sachpreise, die uns die Firma Vesikissa gespendet hatte.

Am Sonntag, viel reisten bereits ab, stellten sich endlich Wind und Sonne ein, so dass wir über den späten Mittag in den Norden nach Alt-Schwerin herüber segelten, um dem idyllischen “Dörpladen” mit Bäckerei und Gastronomie einen Besuch abzustatten.
Wie im Vorjahr unternahmen Jörn, Claus und ich am Sonntagabend eine Nachtfahrt nach Plau am See. Der Hurricane wurde mit Positionslampen und Torqeedo ausgestattet und wir setzten in der einbrechenden Dämmerung bei schwachem Wind über. Einige andere PSW Teilnehmer folgten mit dem Auto auf dem Landweg. Gemeinsam speisten wir am Eldeufer in einem Nobelrestaurant, in dem wir schon letztes Jahr zu Gast waren. Zurück segelten wir bei auffrischendem Wind in vollkommener Dunkelheit. Das Nachtsegeln hat uns wieder Spaß gemacht. Wir wollen die Nachtfahrt am Sonntagabend nächstes Jahr wiederholen.

Am Montag, dem letzten Tag der PSW, als schon fast alle abgereist waren, schien die Sonne und der Wind frischte mittags bis zu 6 Bft. kräftig auf. Nach einigen morgendlichen Schlägen wurden die letzten Boote abgebaut. Das war das Ende der PSW 2017.

Bilanz der PSW 2017

“Seebestattungen”: dieses Jahr keine einzige

Havarien: 2

– Auf dem mit drei Personen besetzten Ducky 17 kam der Mast herunter. Ich hatte beim Aufbau ein defektes Want (eigenverschuldeter Schaden) ausgetauscht wobei ich das Ersatzwant am Masttoppbeschlag mit einem Kettenglied angeschlagen hatte. Zuerst löste sich dessen Schraubverschluss und Sekunden später bog es komplett auseinander. Davon abgesehen kam es zu keinen nennenswerten Personen- oder Sachschäden.

– Ein Boot am Ufer war über Nacht am Baum angebunden und nur halb hochgezogen worden. Als nachts Wind und Welle aufkamen, machte es sich los und trieb zu einem Nachbarboot herüber, das hochgezogen fest auf dem Ufer lag. Das Heck stampfte in der Welle hoch und runter wodurch es ständig an dem still liegenden Nachbarboot schliff, so dass dessen Rumpf achtern leicht beschädigt wurde. Nächstes Jahr brauchen wir so etwas wie einen “Hafenmeister”, der die Bootsliegelätze am Ufer nach der Breite des Bootes und der Höhe des Mastes zuteilt und auch die nächtliche Vertäuung der Boote überwacht.

Kritik, Tendenzen und Ausblick :

Am Uferweg und an unserem Uferstreifen wurde es mit unseren Booten zunehmend kritisch. Schuld sind die weit überhängenden Äste, die unseren Masten mit den empfindlichen Verklickern den Weg versperren. Die Campingplatzverwaltung will die Äste zur nächsten PSW zurück schneiden.

Erstmalig waren unsere Bootswiese und der Uferstreifen voll besetzt. Einige PSW Teilnehmer wichen bereits samt Boot auf entferntere Stellplätze aus. Die Campingplatzverwaltung kündigte an, dass wir nächstes Jahr weitere, direkt an der Bootswiese angrenzende Stellflächen dazu bekommen. Vermutlich wird die Teilnehmerzahl nächstes Jahr weiter wachsen, was ich mit etwas gemischten Gefühlen betrachte.

Die geplanten Yardstickvermessungen konnten mangels Personal und bei den schlechten Windverhältnissen nicht realisiert werden.

Auch dieses Jahr fanden keine “Faltdickschiff”-Segler an den Plauer See.

*

Zu danken haben wir

dem finnischen Hersteller Vesikissa für 2 Preisgewinne und die zwei Testboote,
Jens – wie gehabt – für Sozialzelt und Schwenkgrill,
Peter dafür, dass er uns einen Abend am Schwenkgrill mit Fleisch und Kohle versorgte,
Andreas und Heide für die außergewöhnlich Mittagsmahlzeit “Parasole mit Ei aus dem Wok”,
Barkassen Kapitän Danny für die Feuerschale,
Eckhard für seine Einführung in das Segeln,
Axel für die technische Leitung der abendlichen Filmvorführungen,
Uli und Agnes für die Kinoleinwand,
Christian für die Soundanlage dazu,
Ekke Kaplan für die Stifung des Wanderpokals,
Elke und Axel für die gewissenhafte Regattaleitung,
der Campingplatzverwaltung für die entgegenkommende, freundliche Kooperation.

Schließlich ist allen PSW Teilnehmern für Ihr tadelloses Benehmen zu danken. Die zufriedene Campingplatzverwaltung sagte mir ungefragt, es habe sich bei den PSW Teilnehmern ausschließlich um angenehme, unproblematische Gäste gehandelt habe. Ein ehrlich gemeintes Kompliment, das ich gerne an dieser Stelle wiederhole.

Die PSW 2018 findet vom 17.09.2018 bis zum 24.09.2018 statt. Zieht in Erwägung, vielleicht schon etwas früher zu kommen und/oder etwas später abzureisen, wie es viele andere auch machen.

Euer Ralph
(Initiator der PSW)

Ein Bericht über den Landzugang (Crosscountry) zum oberen Whitestone River im Yukon Territory/Kanada

Danny Hildebrand
Dr. Bruno Benischek

 

von Danny Hildebrand und Dr. Bruno Benischek

Der Whitestone River und der obere Porcupine River sind ideale Flüsse für relativ erfahrene Wildnispaddler, welche einerseits die unberührte Wildnis suchen, andererseits aber körperlich in so guter Verfassung sein müssen, dass sie den schweren 6 bis 7-Tage-Marsch durch den kanadischen Busch bis zu den Quellgewässern des Whitestone Rivers mit der gesamten Ausrüstung durchstehen können. Die besondere Gefahr dieser Tour besteht darin, dass man sich für gut 4 Wochen in einer absoluten unberührten und menschenlosen Wildnis befindet. Hilfe von außen kann nicht erwartet werden. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich dringend ein PLB mitzuführen, was es zu der Zeit, als wir die Tour 1985 unternahmen, auf dem freien Markt noch nicht gab. Weiterhin empfiehlt es sich, die Reise mit 4 Leuten anzugehen und keinesfalls Anfänger daran teilhaben zu lassen. Dem erfahrenen Wildniswanderer und Kanufahrer, der sorgfältig vorgeplant hat, wird sich jedoch eine Fülle unauslöschlicher Erlebnisse bieten und letztlich die Genugtuung bringen, etwas Außergewöhnliches erlebt zu haben. Klares und zumeist schnelles Wasser ohne eigentliche Stromschnellen, unberührte Wildnis, reichlich Wildtiere und in der Sommerzeit oft trockenes Festlandswetter, werden das Unternehmen auszeichnen.
Eine Zweimann-Crew (wir) mit einem 16-Fuß-Kanu benötigte 33 Tage, um vom Dempster Highway bis nach Old Crow zu gelangen, allerdings ohne Zeitdruck. Die Crew hätte die Strecke auch in 23 bis 25 Tagen bewältigen können. Um ohne Stress und mit heiler Seele die Marsch- und Flussstrecke “abzuarbeiten”, sind jedoch 4 Wochen Zeit empfehlenswert.

Beschreibung:

  • Wasserschwierigkeitsgrad: 1 – 2 (keine Stromschnellen)
  • Beste Reisezeit: Juni bis August
  • Nächste Orte für Hilfe: Dempster Highway und Old Crow
  • Länge: 12 km Portage durch den Busch. 600 km Wasserweg (50 km bis zum Whitestone River, 120 km auf dem Whitestone River bis zur Mündung des Miner River, 200 km von der Einmündung des Miners auf dem Porcupine River bis zum Bell River, 180 km vom Bell bis nach Old Crow). Bei diesen Angaben handelt es sich um Flusskilometer!
  • Zeit: 25 bis 30 Tage
  • Karten:1: 250.000
    • Ogilvie River
    • Hart River
    • Porcupine River
    • Eagle River
    • Bell River
    • Old Crow

    1: 50.000 (für die Portage und zum Whitestone River)

    • 116 G/9
    • 116 G/16
    • 116 H/12
    • 116 H/13
  • Gefahren:
    • Lange und mühsame Anfangsportage durch wegloses Gelände.
    • Keine Möglichkeit Hilfe von außen zu bekommen (außer PLB).
    • Starke Verblockungen durch Büsche und Baumstämme auf den zuführenden
    • Bächen und dem Flüsschen bis zum Whitestone River.
    • Schwälle und starke Kehrwasser.
  • Zugang: Dempster Highway 56 km nördlich der Ogilvie Bridge (Schotterdepot des Straßenbautrupps für den Highway)

 

Empfohlene Marschetappen für die Portage:

Der Ausgangspunkt für die Portage ist leicht zu finden. Etwa 50 km nach der Ogilvie Bridge verlässt der Ogilvie River, der bis zu dieser Stelle mehr oder weniger parallel zum Dempster Highway verläuft, diesen, und wendet sich nach Osten. Dieser Punkt liegt etwa 7 km nördlich eines Airfields auf der rechten Seite des Highways, welches gut gekennzeichnet ist.
An dieser Stelle unterquert ein Bach, der immer Wasser führt, den Highway von West nach Ost. Hier beginnt der Highway in nördlicher Richtung anzusteigen. Oberhalb der Baumgrenze, nach etwa 6 km, sieht man links das große Schotterdepot des Straßenbaus liegen. Etwa 100 Meter weit führt ein Schotterweg zur Westseite des Depots, und genau dort liegt der Ausgangspunkt für die Tour und damit der Beginn der Portage hinunter in die fernen Täler. Von hier aus blickt man, über einen flachen halblinks liegenden baumlosen Bergrücken hinweg, in vier westlich liegende Täler. Etwa 100 Meter halbrechts ist der erste kleine Einschnitt zu finden, der bereits Wasser führt. Alle Wasser, die hier in westliche Richtung talwärts fließen, landen letztendlich im Porcupine River, denn hier oben auf dem Hochplateau befindet sich die Wasserscheide. Folgt man nun diesen Rinnsalen durch die nächsten 3 Täler, kommt man zwangsweise an paddelbares Fließgewässer. Es ist ratsam, diese Rinnsale nicht großräumig zu verlassen, da sie die Versorgung mit Trink- und Gebrauchswasser für die kommenden Tage sichern. Das 4. und letzte Tal beherbergt schließlich einen paddelbaren Bach von bereits 5 bis 10 m Breite, der bis hinunter zum Whitestone River führt, in der Karte jedoch ohne Namen zu finden ist. Mit dem Fernglas ist dieser Bachlauf an einer Reihe auffallend hoher Fichten zu erkennen, welche seine Ufer säumen. Die davor liegenden 3 Talbäche sind nicht befahrbar, führen jedoch oft für wenige Meter Wasser, so dass kurzes Treideln möglich ist. Die Gesamtstrecke bis zum 4.Tal, also bis zum ersten, echten Paddelwasser, liegt etwa bei 12 km. Eine gut trainierte Truppe kann diese Strecke (je nach Ausrüstung) in 3 bis 6 Tagen schaffen (wir hatten 4 Rucksäcke a. 25 kg, das Kanu und Gewehre dabei, mussten jede Strecke also 5 Mal gehen und benötigten daher 7 Tage). Es ist empfehlenswert die einzelnen Tragestrecken im Abstand so zu legen, dass möglichst nicht mehr als 200 Meter zwischen ihnen liegen, sonst läuft man Gefahr, dass eventueller Bärenbesuch die Lebensmittelplanung für die nächsten 4 Wochen durcheinander bringt. Da es in dieser Wildnis keinen ausgetretenen Trail gibt, ist es zudem dringend empfehlenswert die jeweiligen Hinundherstrecken mit orange leuchtenden Jäger-Bändchen (in Kanada bei jedem Outfitter zu bekommen) zu markieren. So findet man schnell von Punkt zu Punkt und vertut seine kostbare Zeit nicht mit nutzloser Trailsucherei. Empfehlenswert sind hüfthohe Gummistiefel für die Feuchtpassagen.

Wasserscheide
Touranfang, auf der Wasserscheide

1. Etappe:
Vom Ausgangspunkt an der Bergkuppe ist das Gelände hinunter ins Tal für etwa einen Kilometer recht gut und relativ leicht zu begehen, da sich weder Bäume noch sonstige Hindernisse dort befinden. Nach dieser Stecke muss man nach rechts hinüber auf einen ziemlich steilen Hang wechseln, der sehr dicht mit Sträuchern und Bäumen bewachsen ist. Es ist jedoch sinnvoll, sich möglichst dicht an dem tiefeingeschnittenen Bächlein zu halten, welches oft kaum sichtbar, doch wenigstens hörbar, etwa handbreit den Hochmoorboden in einer Tiefe von etwa 50 cm durchschneidet. Nach etwa 3 km liegt linksseitig eine offene Fläche, welche hauptsächlich von Moos und Gras bewachsen ist. Sie kann nicht verfehlt werden, da sie gut sichtbar und auch schon von oben, dem Ausgangspunkt der Tour, als grünes, freies Areal auszumachen ist. Wenn man nicht im dichten Wald kampieren will, ist dieses die einzig akzeptable Lagermöglichkeit, obwohl der Boden ziemlich feucht und mit zahlreichen Mulden versehen ist, welche durch die typischen Moorgrasbüschel (sogenannte “Niggerheads”) entstanden sind. Für 3 bis 4 Zelte finden sich jedoch halbwegs vernünftige Lagerplätze. Das Baumwerk ringsherum ist zwar bis zu 100 Jahre alt, in der Regel jedoch nicht höher als 1 bis 3 Meter (Permafrost). Das tief eingeschnittene Bächlein befindet sich in unmittelbarer Nähe und führt auch in den warmen Sommermonaten gutes Trinkwasser.

Busch
Durch den Busch
2. Etappe:

In diesem Fall ist es nun besser das Bächlein zu überqueren und ihm nicht weiter zu folgen, sondern schräg in Richtung des zweiten Tals zu marschieren. Man gelangt dabei schon nach knapp einem Kilometer auf eine sogenannte Cutline (Schneise). Man folgt dieser gut begehbaren Waldschneise solange, bis sie den Bach wieder erreicht hat. Da auf dieser Strecke die Orientierung relativ leicht ist, ist das Markieren des Weges mit Bändchen nicht vonnöten. Dieser Kreuzungspunkt ist gut geeignet als 2. Lagerplatz.3. und 4. Etappe:
Beide Etappen verlaufen auf der weiterführenden Cutline bis zum Ende des Tals, doch ist die Stecke von der Orientierung her zwar nicht so schwierig wie die Anfangspassage, birgt jedoch durch “Niggerheads”, Sumpfpassagen und Wurzelwerk die Gefahr eines Knöchel- oder Beinbruchs.

Danny Hildebrand
Danny Hildebrand

5. und 6. Etappe:
Am Ende des 2. Tales endet nun die Cutline. An dieser Stelle schneidet eine neue Schneise im rechten Winkel den Weg. Folgt man dieser Linie in westlicher Richtung, erreicht man das 3. Tal und bald darauf einen Punkt, wo der nun zunehmend größer werdende Bach an einen steilen Berghang herankommt. Ab hier sollte man das Bachbett nicht mehr verlassen, sondern es als feuchten Trail stromab benutzen (Gummistiefel). Es ist eine etwa 3 km lange Strecke, die zwar äußerst schwierig, jedoch wesentlich leichter zu bewältigen ist, als der nahezu undurchdringliche Urwald der näheren Umgebung. Durch Biberdämme und andere Verblockungen staut sich das Wasser hin und wieder so auf, dass das Kanu für einige Meter zum Schwimmen gebracht werden kann (oh Freude)! Durch querliegende Baumstämme ist es jedoch zwangsweise erforderlich, das Bachbett öfter für kurze Zeit zu verlassen. Der Bach, dessen Bett nun schon mehrfach die Breite von bis zu 10 Metern erreicht hat, bietet auf zunehmenden Sandbänken gute Lagerplätze für die Nacht. Vollkommen überraschend kommt dann die Mündung dieses Creeks in den großen Bach unter den großen Bäumen, der durch das 4. und letzte Tal der Laufstrecke fließt und schon als Flüsschen bezeichnet werden kann. Dieses Flüsschen, welches nun hinunter bis zum Whitestone River führt, ist bis zu 10 Meter breit und kann, mit wenigen Ausnahmen und entsprechender Vorsicht, hervorragend bepaddelt werden.

Whitestone River
Lagerfeuer am Whitestone River

Flussfahrt:
Das Paddeln in diesem namenlosen Fluss ist abwechslungsreich und relativ einfach. Ruhiges, tiefes Wasser wechselt sich ab mit flachen, schnellen Passagen, Presswasser, Kehrwassern und engen Kurven, ist jedoch ohne Stromschnellen. Besonders achten muss man auf plötzlich auftauchende Hindernisse wie überhängende Bäume und Büsche (Sweeper). Das Wasser ist glasklar, und es gibt zahlreiche Sandbänke mit guten Lagerplätzen. Fische gibt es reichlich: Äsche (Arctic Grayling), Shefish, Hecht und Wels). Die, auf der Karte eingezeichneten Nebenbäche können ausgetrocknet sein, die letzten beiden, kurz vor der Einmündung in den Whitestone River allerdings (links und rechts), bieten sehr gute Angelmöglichkeiten. Dieser Punkt ist nach etwa 50 Kilometern erreicht. An der Einmündung in den von links kommenden Whitestone River, gibt es ein starkes Kehrwasser, welches jedoch problemlos passiert werden kann. Links, also von der Mündung stromauf, befindet sich eine kilometerlange Sandbank, die hervorragende Lagermöglichkeiten bietet. Angeln im Mündungsbereich ist vielversprechend (Shefish).
Bis zur Einmündung in den Miner River sind es nun noch etwa 120 Flusskilometer. Der, an sich harmlos dahinfließende, Whitestone River ist streckenweise doch rasant, ebenfalls glasklar und macht durch die weißen Steine auf dem Flussgrund seinem Namen alle Ehre. Stromschnellen gibt es auf der ganzen Strecke nicht. Lediglich einige unübersichtliche und schnelle Kurven mit entsprechenden Kehrwassern und diverse Log Jams mahnen zur Vorsicht. Ende Juli findet man an den Waldrändern Himbeeren und Johannisbeeren in Hülle und Fülle. Außerdem gibt es alle Arten von Bodenfrüchten wie Moos- und Heidelbeeren sowie hervorragende Pilze. Der Fluss ist voll mit Fischen. Um Hechten mit abgerissenen Angelhaken im Maul einen qualvollen Tod zu ersparen, benutzt man grundsätzlich ein Stahlvorfach (der Hecht hat messerscharfe Zähne), auch wenn man auf Äschen geht (sie beißen trotzdem)! Der Fluss bietet auf seiner gesamten Strecke ausgezeichnete Lagerplätze mit ausreichend Feuerholz. Wilder Schnittlauch, auf vorwiegend blitzsauberen Sandbänken, rundet die abendlichen Mahlzeiten ab. Die übersichtlichen Sandbänke sind aus mücken- und bärentechnischen Gründen als Lagerplätze empfehlenswert. Einmündende Bäche sind oft schwer zu entdecken, da sie häufig, für den Paddler unsichtbar, in tote Arme einmünden und im Sommer wenig Wasser führen.

Hechte
Hechte reichlich

Das in der Karte eingetragene Whitestone Village besteht nicht mehr. Knapp oberhalb der ehemaligen Siedlung stößt man auf ein paar verfallene Blockhütten. Kurz vor der Einmündung in den Miner River befinden sich einige Inseln in dem nun breiteren Flussbett, so dass sich mehrere Kanäle gebildet haben. Bei Niedrigwasser kann es daher schwierig sein, die richtige Passage mit ausreichend Wasser unter dem Kiel zu finden. Der Miner River entspringt wie der Whitestone River in den Ogilvie Mountains, ist daher genau so klar und kommt mit einer starken Strömung von links herangeschossen. Ab hier heißt der Fluss nun Porcupine River. Die riesige Sandbank in der Einmündung taugt wegen ihrer großen Steine nicht als Lagerplatz, man findet jedoch etwa 3 km weiter stromab, kurz vor der Einmündung des Cody Creeks, auf der linken Flussseite eine ebenso große Sandbank mit hervorragenden Lagerplätzen und guten Angelmöglichkeiten auf Graylings.Der Porcupine River wird nun ständig breiter und die Strömungsgeschwindigkeit verringert sich zusehends. Das Wasser bleibt klar. Die Angelmöglichkeiten beschränken sich mehr und mehr auf Hechte, welche allerdings reichlich vorhanden sind. Etwa 8 km oberhalb der Einmündung des Little Porcupine R. steht ein relativ gut erhaltenes Cabin der Old-Crow-Indianer am hohen, rechten Ufer und ist nur ganz selten von ihnen bewohnt. Auf der nachfolgenden Flusstrecke gibt es noch mehrere Cabins, die jedoch verfallen und nicht einmal mehr als Not-Camps geeignet sind. Für die Weiterreise von dem Camp der Old-Crow-Indianer sollte man frühzeitig aufbrechen, da die folgende Tagesstrecke nur nasse grüne oder schlammige Uferstücke, jedoch keine geeigneten Sandbänke zum Lagern bietet und die Suche erst sehr spät abends zum Erfolg führen kann.

Caribou
Caribous an der Bell-River-Mündung

Vor der Einmündung des Bell Rivers steht rechts auf dem hohen Ufer ein ganz passables Cabin. In der Regel wird der Fluss ab hier nun trübe, da der einmündende Bell River meistens sehr viel Sediment aus den Eagle Plains herantransportiert. Mitte August kann man in diesem Bereich oft größere, nach Süden ziehende, Caribou-Herden beobachten. Von hier bis Old Crow findet man ausreichend gute Lagerplätze am Fuße der sanften Hügelketten, die den Fluss jetzt auf viele Meilen begleiten. Auch Sandbänke sind in ausreichender Menge vorhanden, doch sollte man tunlichst vermeiden in unmittelbarer Wassernähe zu zelten, da der Porcupine River durch Regenfälle in den Quellgebieten für sein plötzliches Ansteigen (bis zu einem Meter) hinreichend bekannt ist. Bis Old Crow hinunter begegnet man nun immer mal wieder indianischen Einwohnern des Ortes, die auf der Jagd sind und auch die gelegentlichen Cabins an beiden Seiten des Flusses bewohnen. In Old Crow kann man sich problemlos mit kleinen Propellermaschinen ausfliegen lassen. Die Kanus jedoch müssen vor Ort bleiben………


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